Solidarische Landwirtschaft

Die solidarische Landwirtschaft (auch regionale Vertragslandwirtschaft oder CSA) bezeichnet eine Form der Übereinkunft und Zusammenarbeit zwischen Konsumenten und Produzenten im landwirtschaftlichen Bereich. Dabei stehen die persönliche Beziehung, Mitbeteiligung, Mitsprache, Mithilfe, Risikoteilung und Wissenstransfer als zentrale Pfeiler im Mittelpunkt. Per Definition ist der Gemeinschaftshof oder Gemeinschaftsgarten ein Zusammenschluss einer Gruppe von Verbrauchern und eines Partner-Landwirtes. Das Konzept sieht eine Abnahmegarantie für die Produktion des Landwirtes vor, die Verbraucher erhalten dafür Einblick und Einfluss auf die Produktion.

Solidarische Landwirtschaft existiert in vielen Varianten. Manchmal beginnt eine solche Initiative bei den Bauern/Bäuerinnen um den neoliberalen Produktionsbedingungen und Sachzwängen, welchen sie oftmals ausgesetzt sind, ein Ende zu setzen. Manchmal beginnt sie bei  Konsumenten, die bei der ganzen Unübersichtlichkeit der Nahrungssuche ganz gerne einmal wissen würden, woher denn eigentlich ihre Nahrung kommt. Gemeinsam ist ihnen das Bewusstsein für globale Zusammenhänge und die Auswirkungen ihres Handelns auf die Umwelt.

Die ursprünglichen Prinzipien der solidarischen Landwirtschaft wurden in Japan von der „Japan Organic Agriculture Association“ 1978 definiert:

  1. Prinzip der gegenseitigen Unterstützung
  2. Prinzip der beabsichtigten Produktion
  3. Prinzip der Akzeptanz der Produkte
  4. Prinzip der gegenseitigen Zugeständnisse in der Preisentscheidung
  5. Prinzip der Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen
  6. Prinzip der Selbstverteilung der Produkte
  7. Prinzip der Demokratischen Verwaltung
  8. Prinzip des gegenseitigen Lernens
  9. Prinzip der Beibehaltung einer angemessenen Gruppengrösse
  10. Prinzip der stetigen Entwicklung

Die Geschichte der solidarischen Landwirtschaft beginnt 1965 in Japan als eine Frauen-Gemeinschaft, die besorgt um die Lebensmittelqualität war, eine erste Form von solidarischer Landwirtschaft gründete. 1974 gründete der japanische Philosoph Teruo Ichiraku die erste Teikei (jap. Gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft) nach den 10 Prinzipien. Heute ist fast die Hälfte aller Haushalte in Japan an einer solchen Initiative beteiligt. 1978 entstanden erste Initiativen im Raum Basel und Jura und später vor allem in den USA. 2001 wurde die Idee in Frankreich wieder aufgegriffen und fand in Europa eine zweite Entwicklungsphase. 2004 wurden in der Schweiz die ersten der inzwischen vielfältigen Initiativen in der Westschweiz, vor allem im Raum Genf, gegründet. Ab 2010 sind verschiedene Initiativen auch in der Deutschschweiz aktiv.

Im Falle des Vereins solavie kam die Initiative vom NaturGut Katzhof aus. Als frischgebackene Landwirte wollten Markus Schwegler und Claudia Meierhans alternative Strukturen der Vermarktung aufbauen. Wichtig war ihnen dabei die Nähe zu den Kunden und damit die Möglichkeit mit ihnen in einem persönlichen und aktiven Austausch zu sein. Auch Themen wie Planungssicherheit, Einkommenssicherheit, Food-Waste und der Schutz vor kurzfristigen Marktveränderungen und die daraus z.T. resultierende schädliche Landwirtschaftspraxis waren zentrale Aspekte ihrer Überlegungen.

Die weiteren Themenbereiche die in den weiteren Kapiteln behandelt werden, haben direkt oder indirekt einen Zusammenhang mit der Landwirtschaft, dem Konsum von Lebensmitteln und dem Bewusstsein für die zugrundeliegenden Zusammenhänge.

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